A Runners Life

Das Juwel des Südens

Dienstag, 22.September 2067/ Manhattan.

Chance verbrachte bereits einige Tage in seiner heruntergekommenen Bude in der Lower Westside vor dem Trideo. Gut, dass die Urban Brawl Liga bereits angelaufen war. Ansonsten tote Hose in Manhattan. Das änderte sich schlagartig, als er von Noah einen brandheißen Tip bekam: Ein Johnson sucht kurzfristig Runner und wird sich heute Abend zwecks eines Treffens um 20.00 Uhr im Club Megavolt in Downtown einfinden. Der Ork überwies Noah schnell noch ein kleines Honorar für den Tip und sprang dann erst einmal in die Dusche.
Das Megavolt war so ein bescheuerter Techno-Schuppen in Downtown. Gut, dass Chance sich unterwegs für 50 Nuyen noch entsprechende Techno-Klamotten aus einem Automaten gezogen hatte. Man will ja nicht gleich auffallen. Wie sich später herausstellte, war er nicht der einzige Runner der an dem Abend diese Idee hatte. Die einzige Ausnahme stellte ein Typ namens Backup dar, der noch schriller als die übrigen Runner in ihren billigen Techno-Klamotten unterwegs war: Im weißen Anzug mit einem offensichtlichen Cyberarm, der komplett in grellem gelb lackiert war.
Außer besagtem Backup, der sich später als Rigger und Hacker entpuppte, fanden sich noch Blake und Gypsy im Hinterzimmer zum Treffen mit Mr. Johnson ein. Blake war ein menschlicher Magier, Gypsy ein überdimensionaler menschlicher Muskelmann, der für Chance verdammt stark nach Ork roch.
Der Johnson kam schnell zum Geschäftlichen: Das Juwel des Südens, ein großer Diamant ägyptischer Herkunft, der am Samstag mit dem Containerfrachtschiff Antarctica am Port Elisabeth in New Jersey eintrifft, soll unauffällig beschafft werden.
Die Lieferung besteht aus Exponaten einer ägyptischen Kunstausstellung, die in zwei 20´ Seecontainern für das Rosevelt-Museum für Geschichte in Manhattan bestimmt waren. Für die reibungslose Übernahme und Überführung der beiden Container vom Hafen zum Museum war Hammer-Security beauftragt. Der Johnson machte uns sein Angebot. Nach harten Verhandlungen seitens Backup und Chance war dieser bereit 10.000 Nuyen pro Runner zu zahlen. Für eine Lieferung des Juwels am gleichen Tag der Schiffsankunft war er bereit weitere 5.000 Nuyen pro Runner draufzulegen. Zu guter letzt gelang es Chance dann noch 20.000 Nuyen Spesen für das Team rauszuhandeln.
Sich über ihren Vorschuss freuend feierten die Runner nach dem Treffen erst einmal ein wenig im Megavolt. Backup und Chance verschwanden jedoch bereits einige Zeit später mit den attraktiven jungen Frauen Rachel und Robin und feierten mit diesen im Club Starlight weiter.
Im Starlight spielte Chance kurz mit dem Gedanken dem anscheinend matrixabhängigen Rigger dessen Kommlink zu fressen zu geben, da der ihn mit Werbung einer eigenen Partnervermittlung, My-Feeds und ähnlichem Mist zuspammte… Schnell mal die Spam-Filter nachjustiert und hochgefahren, dann war der Kerl gleich viel erträglicher!
Doch dann bot Backup den Runnern, völlig unverhofft, seine eigene Lagerhalle als Treffpunkt zur Einsatzbesprechung für den nächsten Morgen an. Ein feiner Zug von ihm! Und da es mittlerweile auch schon spät war, überredete Chance Backup ihn doch gleich mit zu sich zu nehmen. So sparte Chance sich gleich den Weg für den nächsten Morgen.
Am nächsten Morgen trafen sich die vier Runner in Backup´s besagter Lagerhalle und machten sich sogleich an die Planung.
Beginnend mit einigen grundlegenden Datensuchen seitens Backup und seiner Agenten waren die wichtigsten Informationen schnell beschafft, so dass die Runner unmittelbar mit der Feinplanung beginnen konnte.
Die zündende Idee, den Container mit dem Zielobjekt auf den Ladelisten mit einem anderen Containers zu vertauschen, hatte schließlich Gypsy. Hier sah man wieder wie leicht der erste Eindruck täuschen konnte. Gypsy war doch nicht nur ein reiner Muskelmann, wie es zu Anfang schien, sondern war auch nicht gerade auf den Kopf gefallen.
Also lies Chance seine guten Kontakte zur irischen Mafia spielen. Diese hatte, wie von ihm vermutet, gute Verbindungen zu den umliegenden Frachthäfen. Für 5.000 Nuyen nutzten die Iren ihre Kontakte um die Ladelisten von Reederei und Hafenbehörden zu fälschen und die RFID´s des Containers vertauschen zu lassen. Unterdessen war der Magier Blake unterwegs, um bei einem Fälscher eine Kopie des Diamanten anfertigen zu lassen. Für ein Paar Tausender wurde bis Freitag ein entsprechendes Duplikat angefertigt. Um bei dem Einbruch in den Container und dem Austausch des Juwels nicht allzu sehr aufzufallen, entschied man sich, dass nur Blake und Chance den Austausch des Steins im Hafen vorzunehmen sollten. Ausserdem waren entsprechned gut gefälschte SINs auch schon für zwei Leute teuer genug. Man lies gefälschte SINs als Hafenarbeiter anfertigen, mit deren Hilfe man sich dann auch bereits Donnerstags im Hafen umsehen konnte. Während dessen wurde auch die benötigte Ausrüstung, darunter das Duplikat des Steins, unauffällig in einem Spind deponiert.

Dann war es Samstag. Hammer Security hat bereits am Tag vor der Schiffsankunft eine mobile Kommandozentrale im Hafen errichtet. Neben patrollierenden Drohnen wurde auch ein zusätzlicher SIN-Scanner am Checkpoint installiert. Ohne Probleme gelangten Blake und Chance jedoch mit Hilfe ihrer gefälschten SINs und ihrer Tarnung als Hafenarbeiter bis zu dem vertauschten Container. Schnell rein, dann mit einem zielgerichteten Störsender die Sicherheitselektonik der entsprechenden Kiste vorübergehend außer Gefecht gesetzt und den Stein ausgetauscht. Und Chance hatte GLÜCK: Das Juwel des Südens passte haargenau in den abgeschirmten Schmuggelbehälter seines Cyberarms! Dann nichts wie weg. Und nochmal hatten die Runner GLÜCK: Die Sicherheit hatte gerade den ersten Container auf ein Chassis gesetzt und den Inhalt überprüft. Es handelte sich nicht um den von den Runnern vertauschten Container, sondern den zweiten, der tatsächlich einen Teil der Lieferung für das Museum enthielt. Genug Zeit unbemerkt zurück zum Checkpoint zu gelangen. Als Blake durch den Scanner ging war alles in Ordnung. Dann war Chance an der Reihe und der verdammte Scanner sprang auf GELB… Der Sicherheitsmann stoppte ihn und es folgte ein weiterer Datenabgleich: Das System springt auf ROT. Fuck! Aber erneut schien Chance verdammtes GLÜCK zu haben: Rot wird nur eine Milisekunde angezeigt, dann springt die Anzeige auf grün. Der Gardist winkt die beiden Arbeiter durch und diese verschwinden in eine Seitenstrasse, wo bereits Backup und Gypsy im Van des Riggers warten. Da wird im Hafen der zweite Container, diesmal der vertauschte mit falschem Inhalt, geöffnet und Alarm ausgelöst. Im gleichen Moment gab Backup Gas und die Runner verschwanden in der Nacht.
Das Treffen zwecks Übergabe mit dem Johnson fand auf einem abgelegenen Rastplatz in der Nähe der kleinen Stadt Morristown statt. Dieser lag ca. 30 Minuten Autofahrt von New York entfernt. Backup schaffte es in 20 Minuten. Chance bemerkte unterdessen, dass Blake das alte, ägyptische Juwel wie in Trance anstarrte und dabei etwas von sehr altem Fokus, latent magisch und Barriere brabbelte. Auf die Frage ob mit der Ware alles in Ordnung sei, erwachte dieser aus seiner Trance und murmelte nur: Ja, ja, alles OK! Mr. Johnson erschien kurze Zeit später per VTOL auf der Bildfläche. Nach Prüfung des Steins wurde der Transfer der restlichen Bezahlung prompt angewiesen. Zurück in New York trennten sich die vier Runner und gingen, zumindest vorerst, getrennter Wege.
Kohle gut, alles gut!?

Bericht Chance Ende.

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Evendur_Umil GoodLuckGomez

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